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Gesellschaft / Nachhaltigkeit / Wirtschaft

Der Hambacher Forst und die Kohle
: Wie geht es weiter mit Klima- und Umweltschutz?

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Am Samstag dem 06.10.2018 wurde aus einer eigentlichen Protestdemonstration eine riesengroße Feier. Der Grund: einen Tag zuvor konnte der BUND e.V. in einem Eilverfahren von dem OVG Münster einen Rodungsstopp erwirken. Somit ist der übrige Hambacher Forst mindestens für einige Monate bis Jahre geschützt. Aus der Demonstration, bei der 20000 Teilnehmer erwartet wurde, wurde so eine der größten Partys des Jahres, mit sogar um die 50000 Teilnehmern. Man kann von einem sensationellen Ergebnis sprechen, denn es zeigt: das Thema Klima und Umweltschutz bewegt viele Menschen. Natürlich ist diese Veranstaltung nicht nur eine Party und der Kampf um den Wald noch nicht vorbei. Ein Rodungsstopp ist keine dauerhafte Absicherung für den Erhalt des restlichen Hambacher Forts und Klimaschutz und Kohleausstieg sind für die nächsten Jahre nachhaltig umkämpfte Themen. Der „Forst“ ist mehr, als ein Waldstück, welches schützenswert ist, davon gibt es viele und zwar nicht unbedingt besser behandelte. Er ist ein Symbol geworden für den Klimaschutz und den Kampf gegen den schmutzigsten Energielieferanten unserer Zeit: die Braunkohle.
Fast direkt am Wald grenzt das größte Kohleabbaugebiet Europas an, betrieben von dem Konzern RWE. Während der Konzern auf die Notwendigkeit der Braunkohlevorkommen für die Energieversorgung pocht, wollen Umweltschützer für eine von Braunkohle unabhängige Zukunft demonstrieren und dafür das nichts mehr dem Klimakiller Nr. 1 weichen muss. Der Ausstieg aus der Kohle darf nicht weiter aufgeschoben werden, sondern muss heute beginnen. 

Natürlich lässt der Beschuss der Aktivisten und Klimaschützer aus Richtung Konservatismus und Neoliberalismus nicht lange auf sich warten. Den beteiligten Umweltschutzverbänden und ökologischen Parteien (insb. Grüne) wird Panikmache und radikale Ideologie vorgeworfen, gewürzt mit einer Prise Leugnung des anthropomorphen Klimawandels oder Whataboutism nach dem Motto „die Chinesen sind doch noch viel schlimmer“. Wie wichtig es ist jetzt zu handeln und das Bewusstsein für Klima und Umwelt zu stärken, das zeigt allerdings der letzte Klimabericht des Weltklimarats IPCC deutlich. 

Selbst mit allen Bemühungen, welche uns möglich sind, wird es uns voraussichtlich nicht mehr gelingen eine globale Erwärmung von 1,5°C zu verhindern. Bereits bei dieser Erwärmung könnten „70 bis 90 Prozent der Korallenriffe verschwinden“ so der Co-Vorsitzende einer IPCC-Arbeitsgruppe Panmao Zhai. Dies ist nur eine von vielen Folgen des Klimawandels, wenn dieser nicht aufgehalten wird. Bekannter sind das schmelzende Eis an den Polen, die damit einhergehende Erhöhung des Meeresspiegels und Extremwetterlagen, welche zu einem guten Teil schon heute beobachtbar sind, wo wir immerhin schon bei 0,8°C globaler Erwärmung angekommen ist. Besonders dieser katastrophale Dürre-Sommer in Deutschland war eine Auswirkung des Klimawandels, den jeder von uns bestens am eigenen Leib erfahren konnte.
Der IPCC ist weder eine politische Gruppe, noch eine Lobby, welche an irgendwelche Unternehmen gebunden ist. Er ist eine wissenschaftliche Vereinigung und der Klimawandel somit eine wissenschaftliche Tatsache, welche zu leugnen nicht nur hochgradig demagogisch, sondern auch ignorant und selbstzerstörerisch ist.  Dessen angeführte Tatsachen besagen außerdem, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, da Kippelemente eines einmal gestarteten Klimawandels weitere Erwärmungsprozesse und unumkehrbare Veränderungen in der Umwelt begünstigen.

 

Was muss geschehen?

Dies abzuwenden bedarf sofortiges Handeln und einen schnellen Wandel unserer Wirtschaft. Das muss durch die Politik angetrieben werden, doch ihr Hang zu konservativen Wirtschaftsmethoden bremst diese notwendigen Schritte schon seit Jahrzehnten aus. Dass RWE durch hartnäckigen Aktivismus am Hambacher Forst ausgebremst wurde, setzte allerdings ein Zeichen in genau die richtige Richtung. Ziel muss es jetzt sein die Politik und die Kohlekommission zu einem raschen Kohleausstieg zu drängen, einen klaren Kurs zu schaffen, in dem Braunkohle keine Zukunft mehr hat. Deutschland muss mit seiner wirtschaftlichen Führungsrolle in Europa eine Symbolfigur für die Möglichkeit nachhaltiger Wirtschaftsmodelle werden. Dies sollte sich natürlich nicht nur auf den Kohleausstieg beschränken, sondern den gesamten CO2-Ausstoß beinhalten und diesen so gut einschränken, wie es nur geht und das in allen gesellschaftlichen Bereichen. Auf keinen Fall darf sich die Politik in ihren Entscheidungen von gewinnorientierten Konzernen Vorgaben machen lassen. Es wäre jedoch verantwortungslos von der Gesellschaft dies in die Hände von Politikern zu legen, die sich zu gern von Wirtschaftsgrößen treiben lassen. Deswegen waren die Proteste im und um den Hambacher Forst ein wichtiges Zeichen, dass das Klima uns als Gesellschaft etwas angeht und wir bereit sind trotz staatlicher Repressionen und trotz Anfeindungen aus dem konservativen und neoliberalen Sektor für den Klimaschutz einzustehen. Wir müssen uns geschlossen hinter den Ausbau erneuerbarer Energien stellen. Einer der kleinsten Schritte wäre es von fossilen Brennstoffen zu einem Ökostromanbieter zu wechseln.

Arbeitsplätze im Kohlesektor dürfen kein Argument sein, denn sie können nicht die Luft zum Atmen ersetzen, die jeder von uns benötigt. Da ein vollständiger Kohleausstieg vor 2030 kaum zu erreichen sein wird, sind außerdem mindestens 12 Jahre und somit drei Legislaturperioden Zeit, um den wirtschaftlichen Strukturwandel zu gestalten. Diese Zeit ist außerdem sowieso notwendig, um auch auf globaler Ebene eine einheitliche Bepreisung für Kohlendioxid zu erwirken, damit erneuerbare Energien auch außerhalb Europas z.B. in China und Indien an Attraktivität gewinnen. Erst dann kann der notwendige wirtschaftliche Wandel auf globaler Ebene stattfinden, was die einzige nachhaltige Option ist, um den Klimawandel wieder unter Kontrolle zu bekommen.

All diese Bemühungen könnten uns dabei helfen, dass wir 2050 eine komplette „Dekarbonisierung“ unserer Energiegewinnung erreichen, deren Möglichkeit bereits durch die finnische LUT-Studie belegt wurde und dies könnte im wahrsten Sinne unsere Welt retten!

 

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