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Ethik / Gesellschaft / Halle / Nachhaltigkeit

Fridays For Future

Fridays For Future

Eine Umweltbewegung im Aufbruch

Freitag der 15.03.2019:
Mehr als 200 Städte in Deutschland, 300000 protestierende Schüler bundesweit, 2000 beteiligte Städte weltweit.

Alleine in meiner Heimatstadt Halle gingen 1300 junge Menschen für das Klima auf die Straße. Sogar Grundschüler waren ganz vorne mit dabei. Vermutlich ist dies sogar das erste Mal, dass diese Stadt so viele Menschen auf der Straße für etwas kämpfen gesehen hat.

Grundschüler protestieren direkt vor dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Halle

Mit „Fridays For Future“ entstand eine Klimagerechtigkeitsbewegung, welche von keiner politisch-gesellschaftlichen Instanz mehr übersehen werden kann. Eine riesige Jugendbewegung, gleich einem Nadelkissen auf den Parlamentssitzen konservativer und neoliberaler Politiker, von noch weiter rechts stehenden Feinden jeglichen ökologischen Denkens und Jugendkultur ganz zu schweigen.

Start vom Leipziger Turm

Besonders die Strategie des Pflichtverstoßes in Form des „Schulschwänzens“ kratzt an dem gesellschaftlichen Leitbild, wo jeder gefälligst in seiner Funktion verbleiben soll. Nur so konnte der Protest sich überall seine Aufmerksamkeit sichern und die regierenden Politikern zur Stellungnahme zwingen, welche in vielen Fällen allzu entlarvend ausfällt. Denn die lauteste Kritik kommt in Deutschland natürlich ausgerechnet von den Parteien, welche allen voran in der Kritik der Schülerproteste stehen: CDU, FDP und nicht zu vergessen die AfD. Dabei will ich besonders auf Herrn Lindner von der FDP eingehen, welcher sich bisher am lautesten echauffiert.

 

Die Schüler treffen den richtigen Nerv!

Der wesentliche Vorwurf, welcher sich wie ein Mantra seit Gründung der Bewegung wiederholt:
„Die schwänzen doch bloß die Schule!“
Dem entgegne ich mit der sich ebenso wiederholenden Antwort, die FFF-Gründerin Greta Thunberg euch tadelnden Politikern bereits um die Ohren geknallt hat, bloß in anderen Worten: Die Schüler machen alles richtig, gerade weil es euch so viel Schaum vor den Mund treibt.
Da dieser Regelverstoß die abgehobenen und in Umweltfragen handlungsunwilligen Politiker und Wirtschaftsvertreter mit der Jugend so schön aneinanderbringt, ist genau diese Vorgehensweise der Garant für die Aufmerksamkeit und das Gewicht, was die Bewegung braucht, um ihre Botschaft hörbar zu machen.
Wenn die Schüler brav in ihrer Freizeit protestieren würden, würden die angesprochenen Politiker Arm in Arm mit ominösen Wirtschaftsweisen die Bewegung verlachen, die Mündigkeit der Schüler untergraben, wie es Herr Lindner erst kürzlich vorgemacht hat und die Medien hätten an den Protesten nach wenigen Wochen das Interesse verloren. Es ist gerade die Unbequemlichkeit der Proteste, welche sich festsetzt und die Bewegung in jede Sicht- und Hörweite treibt. Diejenigen, an welche sich die Proteste richten, würden sie nämlich am liebsten übersehen oder überhören. Es sind die regierenden Politiker und Lobbyisten, welche sich hinter die aktuellen Wirtschaftsmethoden stellen, welche den Klimawandel vorantreiben und die Proteste und damit auch die Fehlstunden/tage erst nötig machen. Vor der sterbenden Natur können sie die Augen verschließen, aber kratzt man am etablierten System und überschreitet den gesellschaftlichen Rahmen, werden sie laut und mahnen wegen der Schulpflicht. Dabei ist ein Schultag in der Woche, wobei die meisten Schüler an den Aktionen vermutlich monatlich teilnehmen (so z.B. in meiner Heimatstadt Halle), ein vertretbares Opfer. Es geht immerhin um eine wichtige Form der Bildung und zwar gesamtgesellschaftliche Anteilnahme, welche unser Bildungssystem nur rudimentär ermöglicht. Bildung ist mehr als stur gelernter Fächerkatalog, Leistungsprüfung und Anwesenheit! Dies hat aber unser System nicht erkannt, steckt an dieser Stelle stattdessen noch im vorletzten Jahrhundert fest.
Es ist schon ironisch, dass gerade die Parteien, welche in der Vergangenheit immer im Bildungswesen gespart haben nun diejenigen sind, welche nun die Heiligkeit des Schulunterrichts predigen. Vielleicht sollten sie begreifen, dass die Schüler deswegen auf die Straße gehen, weil sie im Gegensatz zu ihnen ihre Hausaufgaben zum Thema Umweltschutz gemacht haben. Vielleicht sollten sie zumindest auf die Schüler und ihren Protest richtig eingehen, anstatt ihnen Kompetenz abzusprechen. Die Schüler stehen in einer Reihe mit den „Profis“, welche Lindner in Umweltfragen zu beschwören meinte. Das war ein Schuss in den Ofen, wie es Team Rocket nicht hätte besser machen können. Nun schweigt Herr Lindner die rund 12000 Wissenschaftler, welche sich hinter die Schüler gestellt haben lautstark an. In neoliberaler Tradition hat er jedoch sicher von diesen Wirtschaftsweisen gesprochen, Wissenschaft ist immerhin überbewertet und füllt keine Taschen. Was interessieren einen auch die tatsächlichen komplexen Zusammenhänge aus Ökologie und Physik?

Genau bei den Klimawissenschaftlern handelt es sich allerdings um die wirklichen Profis, welche schon seit Jahrzehnten vor dem Klimawandel warnen. Der Weltklimarat „IPCC“ machte in einem Bericht des letzten Jahres auch die Dringlichkeit einer schnellen CO2-Wende deutlich. Unsere Gesellschaft muss jetzt handeln, wenn sie einem unkontrollierten Klima-Kollaps entkommen möchte. Hinzu kommt, dass eine schnelle Energiewende definitiv möglich wäre und dementsprechend ein Kohleausstieg definitiv vor 2030. Auch der ständigen deutschen Sorge um Arbeitsplätze kommt die Energiewende entgegen.

Wenn Politiker also jungen Demonstrierenden fehlende Kenntnis vorwerfen und die wirtschaftliche Machbarkeit einer schnellen Energiewende in Frage stellen, handelt es sich um puren Lobbyismus. Es geht darum die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen und auch möglichst das letzte Stück Kohle im Boden zu Kohle in Taschen umzuwandeln. Dies geschieht auf den Kosten der Jugend und weiterer zukünftiger Generationen, sei es aus Ignoranz oder der Einstellung „Nach uns die Sintflut!“. Konservatismus und Traditionalismus, welcher nur die eigenen Privilegien im Blick hat und keine zwei Meter über den eigenen Gartenzaun blickt, wird nie die Dimensionen erfassen, welche eine gesunde Welt ausmachen, in welcher wir die nächsten Jahrhunderte würdig leben wollen. Deswegen brauchen wir eine Jugend, welche bereit ist aus der Reihe zu tanzen. Das einzige Problem, was ich an Greta Thunberg finde, ist, dass es noch keine Millionen Greta Thunbergs gibt. Lasst uns also zu Millionen Gretas werden.

In diesem Sinne:
Make our planet greta again!

Ihr habt verschlafen, wir sind der Wecker!

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