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Ethik / Gesellschaft / Nachhaltigkeit / Wirtschaft

Ist die Welt noch zu retten?

Ist die Welt noch zu retten?

Die Erde brennt! Sowohl im übertragenen, als auch im erschreckend wörtlichen Sinne. Zum einen schreitet der Klimawandel drastisch voran, schneller als befürchtet. Nun brennen zu allem Überfluss weltweit unsere Wälder, besonders dramatisch: unsere grüne Lunge, der Amazonas. Anstatt dass Politik und Gesellschaft mit Hochdruck an der Umsetzung der Ziele des Pariser Klimaabkommens arbeiten und alles Erdenkliche zur Erreichung dieser tun, suhlt man sich in Lethargie und Beschwichtigung. Der Kohleausstieg bis 2030 wird immer noch diskutiert, statt beschlossen, die Verkehrswende weiterhin von linken Oppositionsparteien, statt der Regierung diskutiert und trotz Bolsonaros unmöglicher Haltung bezüglich der Amazonas-Brände wird weiterhin (besonders von deutscher Hand) am Mercosur-Abkommen herumgedoktert.
Letzteres einstimmig als Europäische Union zu blockieren wäre ein deutliches Zeichen, dass der Erhalt unseres Planeten vor wirtschaftlichen Interessen steht und mit Naturzerstörern nicht verhandelt wird. Was nämlich die Flammen in den Amazonas treibt, sind in den wenigsten Fällen natürliche Brandherde, sondern allen voran die brasilianische Agrarpolitik, welche sich ihre Ackerflächen durch Brandrodung erschafft. Und was wird auf der verbrannten Erde angebaut? Vor allem Soja, welches als Tierfuttermittel für unser Billigfleisch aus Massentierhaltung herhält.

Mercosur: Ein Frontalangriff auf den Regenwald

Seit 20 Jahren verhandelt die EU nun schon das Mercosur-Abkommen. Dieses Jahr stände es kurz vor dem Abschluss. Selbst ohne dem Rekordhoch der Amazonas-Brände dieses Jahres, ist der Soja-Anbau und die Ausweitung der brasilianischen Rinderherden Grundlage für massive Abholzung, damit verbunden die Verschärfung des Klimawandels (durch den schrumpfenden CO2-Speicher) und auch die Vertreibung der indigenen Bevölkerung. Der europäische Markt mit seiner Massentierhaltung ist ein Hauptabnehmer und somit an dem Desaster schon lange mitverantwortlich. Und als ob unsere Massentierhaltung nicht reicht, lassen wir uns auch noch Fleisch aus dem Mercosur importieren, also aus der Viehhaltung für die ebenfalls Regenwaldflächen weggerodet werden. Ein Freihandelsabkommen würde diesen destruktiven Handel weiter fördern. Es wäre ein Affront gegen den Amazonas und allgemein gegen Umwelt- und Klimaschutz.

Doch zum Glück regt sich Widerstand gegen das Abkommen, mit starkem Potential es scheitern zu lassen. So kündigt „Präsident Emmanuel Macron […] ganz offiziell an, das Abkommen in seiner aktuellen Form nicht zu ratifizieren, wenn Brasilien beim Umweltschutz nicht umschwenke.“ Und er ist nicht allein: Irland, Luxemburg und Finnland stemmen sich ebenfalls gegen das Abkommen. Finnland spielt sogar mit dem Gedanken jeglichen Import von Agrarprodukten aus Brasilien zu stoppen.
Und wer stemmt sich natürlich mal wieder gegen die Blockade? Natürlich unser liebes Deutschland …
Unsere Politik gibt sich mal wieder lieber einer Illusion hin und meint, dass das Abkommen tatsächlich sogar linksrum funktionieren kann und dem Umweltschutz in Südamerika dienlich wäre.
Dass dies nicht funktioniert, macht das Abkommen selbst deutlich. Es verlangt zwar eine Wiederaufforstung des Regenwalds und Rodungsstopp bis 2030, jedoch fehlt jeglicher Sanktionsmechanismus, um dies durchzusetzen. Diese Lücke sehen auch nicht nur irgendwelche „militanten“ Umweltschützer, sondern die Generaldirektorin Handel bei der EU-Kommission, Sabine Weyand, nachzulesen im Tagespiegel. Die Forderung nach stärkerem Umweltschutz im Abkommen gleicht also einem halbherzigen „Bitte Bitte“, wofür ein Bolsonaro nur ein hämisches Lachen übrig hätte.

Deutschland ist ein klimapolitisches Desaster!

Dass Gestalten, wie Bolsonaro oder Trump aufgrund ihrer autoritären Ideale quasi „naturgemäß“ den Umweltschutz boykottieren, darf niemanden wundern, dennoch dürfen wir uns in Deutschland auch nicht auf ein allzu hohes Ross begeben. Selbst wenn von unserer Regierung im Vergleich mit den Rechtspopulisten kein wirklicher böser Wille gegen Umwelt- und Naturschutz auszumachen ist, so ist in Deutschland der Industrie-Lobbyismus eine extreme Kraft in der politischen Willensbildung. Dies erkennt man auch im Ausland, so berichtete „The Guaridan“ 2017, dass Merkels Amtszeit ein umweltpolitisches Desaster darstellt. Die Regierung unter Merkel stemmte sich bereits 2013 gegen die CO2-Regulation für KFZs, ignorierte 2014 die Warnungen zur Dieselproblematik, welche jetzt weiterhin von der Bevölkerung über Fahrverbote kompensiert werden muss und auch die Palmölnutzung für Biokraftstoffe, wofür Regenwälder in Afrika und Asien zerstört werden, geht zu einem guten Teil auf die deutsche Kappe. Wir sind also im Wesentlichen nicht nur mit unserer Massentierhaltung für die Zerstörung im Amazonas verantwortlich, sondern dank „Bio“kraftstoffen auch noch für den Rückgang der Regenwälder in Afrika und Asien. Das zur stetigen Frage der Rechtspopultisten, was Deutschland alleine bezüglich des Klimawandels tun könnte. Wir tun die ganze Zeit was bezüglich des Klimawandels, allerdings genau in die falsche Richtung. Desweiteren subventioniert unsere Politik immer noch die Braunkohle und baut mit millionenhohen Förderungen den Straßen und Flugverkehr aus.  Klimafreundlicher Strukturwandel sieht definitiv anders aus.

 

Welche Hoffnung gibt es noch?

Es steht nicht mehr fünf vor zwölf, wir haben die zwölf bereits überschritten. Der Klimawandel ist im Gange, was wir jetzt nur noch tun können, ist die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Um das zu schaffen, wurde das Pariser Klimaabkommen ins Leben gerufen. Dessen Ziele sollen die Erderwärmung auf 1,5°C begrenzen. Doch unsere Politik und unsere Gesellschaft tut bei weitem nicht genug, um diese Ziele zu erreichen. „Zurzeit laufen wir global eher auf fünf bis sechs Grad Erwärmung zu, das heißt an Land auf neun bis zehn Grad.“ Und das ist schrecklich! Eine solche Erwärmung würde unseren Planeten grundlegend verändern. Unsere Mitteleuropäische Klimazone würde sich auf das Niveau von Afrika erwärmen. Wir würden klimatische Bedingungen von Prärie bis Wüste erschaffen. Das damit verbundene Artensterben wäre katastrophal und auch die Lebensverhältnisse der Menschheit werden zerworfen. Klimaflucht, Versorgungsengpässe, Naturkatastrophen und damit verbundene globale Konflikte wären an der Tagesordnung. Unsere zivilisatorischen Erungenschaften wären in ernsthafter Gefahr. Im schlimmsten Fall könnte die Menschheit sogar an den Folgen zugrunde gehen.

Wir laufen also auf eine Katastrophe zu, welche in unserem Untergang resultieren kann und verschließen regelrecht unsere Augen davor. Alles dem Status Quo zuliebe. Bloß kein Stück Wohlstand riskieren, auch wenn wir dafür den Bach runtergehen. Nach uns die Sintflut …
Unter den Gesichtspunkten fragt man sich nicht unbegründet, ob nicht sowieso alles zu spät ist. Es wirkt aussichtslos in eine lethargische Klimapolitik Leben einzuhauchen und wenn wir die Ziele des Pariser Abkommens nicht erreichen und die 2°C-Marke überschreiten, kommen die Kipppunkten, welche in eine verkettete Klimakatastrophe münden: die Gletscher und die Korallenriffe werden Geschichte sein, unsere Flora vertrocknen, unsere Fauna verdursten und wir können unsere heißgeliebten SUVs dann endlich mit Stachelfelgen und Maschinengewehren aufrüsten, weil wir dann in einer Welt alá Mad Max leben dürfen.
Doch es ist nicht zu spät und die Rettung ist möglich. Dafür müssen wir jedoch in den nächsten 10 Jahren vollständig auf erneuerbare Energiegewinnung umgestiegen sein, vorher die Kohleverstromung abgeschafft  und den allgemeinen CO2-Ausstoß durch Steuern nach unten reguliert haben, Landwirtschaft wieder auf ökologische Basis betreiben und natürlich unsere Wälder, welche derzeit brennen und ja nur unsere lebensnotwendigen CO2-Speicher sind, wieder weltweit so gut es geht wieder aufforsten. Das klingt nach einem harten Ritt und das ist es auch, aber es ist absolut notwendig und zwar für unser Überleben.

Und um denen, die jetzt Schiss vor einer CO2-Steuer haben, den Wind aus den Segeln zu nehmen:
Eine soziale Besteuerung ist möglich und wurde bereits berechnet. Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen, Pendler und Haushalte mit Kindern können nach diesem Modell einer Studie von „Agora Verkehrswende“ bestens entlastet, stattdessen gerade Industrie und Autohersteller zu CO2-sparenden Maßnahmen forciert werden. Diese Form der CO2-Steuer muss her, wenn wir unser Klima retten wollen. Und wenn nun auch noch jemand behauptet, dass wir nur die Industrie und unsere Wirtschaft sabotieren: auch hier hat ein Dresdner Forschungsprojekt eine Lösung gefunden, mithilfe spezieller Antriebsmaschinen den industriellen Energieverbrauch nach unten zu regulieren. Gerade die Industrie steht im Zugzwang, was Klimaschutz angeht, da sie allein die Hälfte des Stromverbrauchs in Deutschland zu verantworten hat.

Es gibt also bereits Lösungsansätze für das Klimadilemma, wir müssen uns diesen jedoch auch mehr widmen, statt im „Weiter so“ zu verharren. Im Verkehr muss der ÖPNV verbessert und vergünstigt werden, damit er einen Großteil des Personenverkehrs übernimmt und den Autoverkehr entlastet. Linke und ökologische Parteien versuchen schon lange auf diese Art der Verkehrswende hinzuarbeiten, werden jedoch von den Konservativen immer wieder darin blockiert. Das Auto muss rollen, damit der Rubel rollt …
Dass jedoch ein „Weiter so“ am Ende noch viel teurer für alle wird, weil die Kompensation des Klimawandels viel mehr Kosten verursacht, als dessen Prävention, dass scheint unserer verstaubten Politlandschaft irgendwie zu entgehen.

 

Was muss getan werden? (Zusammenfassung)

Wir müssen uns der vehementen Gefahr bewusst werden und als europäische Union den Klimanotstand ausrufen und der Klimapolitik die Priorität verschaffen, die sie braucht. Deutschland hat dabei als eine der stärksten europäischen Wirtschaftsnationen einen wichtigen Vorbild-Charakter. Das Thema Klimagerechtigkeit kann von unserer Politik mit starker Außenwirkung getragen werden. Die Politik muss für die Zukunft endlich der Wissenschaft verpflichtet werden. Jegliche Vorgaben zur Erreichung des 1,5°C –Ziels müssen eingehalten, Subventionen und Förderungen für fossile Brennstoffe schnellstmöglich beendet werden, stattdessen muss die gesamte Wirtschaftskraft des Energiesektors in die erneuerbaren Energien geführt werden. Für die Verkehrswende müssen emissionsarme bis -freie Transortmöglichkeiten gefördert und ausgebaut werden. Ökologische Wirtschaftsmethoden müssen gestärkt, umweltbelastende Wirtschaftsmethoden besteuert und bei Verstößen gnadenlos sanktioniert werden und dies über Landesgrenzen hinweg. Natürlich müssen wir einen weltweiten Schutzverband für unsere Wälder erschaffen und Wälder vor ihrer Zerstörung bewahren und verlorengegangen Waldflächen aufforsten.

Als Einzelne sollten wir unseren Konsum überdenken, auf unseren ökologischen Fußabdruck achten und Umweltaktive, wie Fridays For Future und andere aktiv unterstützen.

Tun wir all dies, haben wir eine Chance weiterhin auf einem gedeihenden Planeten zu leben.

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