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Ethik / Gesellschaft / Nachhaltigkeit

Planeten retten? Wir hassen lieber eine 16-Jährige!

Planeten retten? Wir hassen lieber eine 16-Jährige!

Experten warnen vor Klimakollaps 

Wieder so eine Schlagzeile, welche in einigen Köpfen das Unwort Klimahysterie hervorspringen lässt, wie einen Pop-Up auf einer illegalen Streaming-Plattform. Was müssen die Medien seit letztem Jahr auch ständig die PR-Maschine anschmeißen und ständig jedes warme Wetter gleich mit dem Weltuntergang in Verbindung bringen? Ach warte kurz, der Artikel ist von 1988 … Schon 1988 warnte die Wissenschaft vor dem Klimakollaps und seinen drastischen Folgen. Was für eine ausdauernde PR-Maschine, welche über Jahrzehnte läuft und fast alle seriösen Wissenschaftler in ihren Bann gezogen hat. Natürlich weiß der weitsichtige Facebook-Kommentator, dass dies alles ein Riesenschwindel ist, um uns wirtschaftlich zu destabilisieren und dem armen deutschen Michel per CO2-Steuer das Geld aus der Tasche zu ziehen. Geführt durch die Illumnaten-Greta, um vor dem wahren Problem abzulenken, den Ausländer. Drauf geschissen, wenn die Welt untergeht, solange der Deutsche seine Gartenzwergkultur beschützen kann.

Wir müssen endlich den Klimanotstand ausrufen!

Ja, das war jetzt eine übel sarkastische Einleitung. Jedoch fällt es mir schwer der Ignoranz, welche mir, bezogen auf das Thema Klimawandel, in letzter Zeit durch die sozialen Medien entgegenschallt, mit seriöser Mine zu begegnen.

Wir haben eine Hitzewelle mit Rekordwerten nach der anderen, die Artkis brennt, Polkappen schmelzen, Korallenriffe verschwinden, Schnee, bald nur noch eine Erinnerung und in den Tagesschau-Kommentaren liest man mal wieder von Ronny, welcher seine Karre oder seine Lieblingsfußballmanschaft auf dem Profilbild herumträgt: „Goiles Wedder! Soll ümmer so bleibn! Klimawandel ftw!“. Dies sind die Momente, wo ich mich am liebsten auf den Balkon setze, in die Weite starre und meiner Hoffnung in die Menschheit zuschaue, wie sie in Richtung Sonnenuntergang von dannen zieht.
Doch genau diese Ignoranz gegenüber einer wahrscheinlichen Katastrophe, welche nicht mehr weit in der Zukunft liegt, hat derzeit Konjunktur. Befeuert wird sie durch die selben Schergen aus rechtspopulistischen Dunstkreisen, welche schon humanitäre Werte seit Jahren mit Füßen treten, genutzt von denen, welche durch die umweltschädlichen Industriezweige Profite und Privilegien erlangen. Der Staat und die EU versuchen sich seit jeher möglichst auf der Uneinigkeit gegenüber der Klimakrise auszuruhen. Damit dies nicht mehr gelingt, muss der Klimawandel endlich als akute Gefahr begriffen werden, statt als unscheinbares Risiko. Wir müssen den Klimanotstand ausrufen. Wie Greta es sagte „In Panik geraten“ und enormen Druck ausüben, dass jeder sein bestes tut, um das Klima zu schützen.

Greta und der Hass

Nun hat sich die Front der wohlstandsbesoffenen Ignoranten und rechten Ewiggestrigen einen neuen Erzfeind erkoren, welchen es nun weit ausholend mit Häme, Hass und Geringschätzung zu überschütten gilt. Und nein, es ist kein Umwelt-, Energie- oder Wirtschaftsminister, etc. Der gesammelte Hass ergießt sich über eine 16-Jährigen Schülerin, welche engagiert ist und für eine lebenswerte Zukunft kämpft: Der Mob stürzt sich über jedes noch so unscheinbare Nadelöhr, worin er irgendeinen noch so hanebüchenen Grund findet, Greta Thunberg der Heuchelei zu beschuldigen. Greta musste Nahrung in Plasteverpackung auf der Zugfahrt essen? Heuchlerin! Greta reist von Ort zu Ort, um protestierende Schüler vor Ort zu unterstützen und an Politiker zu appellieren? CO2-Schleuder! Heuchlerin! Greta trägt ein T-Shirt, mit antifaschistischem Inhalt? Terroristin! Klimaschutzbewegung will bestimmte Presse nicht auf ihrer Versammlung haben? Ökoterror! Meinungsfreiheit!
Die jüngste Eröffnung menschlicher Abgründe begleitet jedoch die aktuelle Atlantiküberfahrt Thunbergs zum Klimagipfel in den USA. Um ein Zeichen gegen die Klimaschädlichkeit des Fliegens zu setzen, überquert Greta mit einer Segeljacht den Atlantik. Ein schnelles Rennboot, aber kein Luxusschiff. Wenig Platz, keine Toilette, stattdessen ein Eimer, nur das Nötigste und bei starkem Seegang wird es im 18m langem Boot recht wacklig. Klares Zeichen gesetzt, dass Gretas Umweltaktivismus mit der Bereitschaft zur Unbequemlichkeit einhergeht. Also, worüber kann man sich hier aufregen? Oh no! Für den Notfall gibt es einen Dieselmotor. Greta ist nicht bereit für den Klimaschutz abzusaufen. Verdammt, das erwarten doch die Rechten von all denen, die sie nicht haben wollen. Aber ist ja klar. Es ist erst dann wahrer Klimaaktivismus, wenn man bereit ist dafür draufzugehen. Immerhin nimmt der Wohlstandsaktivismus auch Tod und Desaster in Kauf, auch wenn um ein paar Generationen verschoben.
Greta kann wirklich nichts machen, ohne, dass man sie in irgendeiner Form bemängelt und ihr Heuchelei vorgeworfen wird. Oder um es mit den Worten des Comedy-Autors Antreh auf Twitter zu sagen: „Greta Thunberg hätte nach Amerika schwimmen können und die BILD hätte noch geschrieben, dass sie dabei unschuldigen Fischen gegen den Kopf tritt.“

Einen Kritikpunkt kann man tatsächlich nicht von der Hand weisen. Wie die taz berichtete, löst die ganze Aktion mehr Flugreisen aus, als wenn Greta und Begleitung gleich geflogen wären. Das Segelboot muss wieder nach Europa, wofür fünf Mitarbeiter in die USA fliegen müssen. Auch Thunbergs Skipper fliegt mit dem Flugzeug zurück nach Europa. Hätte man auf diese Symbolhandlung verzichtet, würdefür die USA-Reise tatsächlich weniger CO2 ausgestoßen werden. Aber gerade um die Symbolhandlung geht es doch! Die Schwierigkeit der Reise soll darstellen, dass die Energiewende nicht einfach und mit Unbequemlichkeiten verbunden ist. Stattdessen soll sie als ein großes Abenteuer verstanden werden. Es wird zwar Bequemlichkeit geopfert, aber interessante Erfahrungen können gewonnen werden. Von dem Gewinn für die Umwelt am Ende brauchen wir gar nicht zu sprechen, darum geht es ja in erster Linie. Laut Klimaforscher Jakob Graichen, ebenfalls in der taz zitiert, verursacht eine Fähre, je nach Fahrzeit, rund 40% der Emissionen, welche bei einem Flug ausgestoßen werden.

Laut den Klimawandel“skeptikern“ ist Greta entweder Rädelsführerin oder Marionette einer großen PR-Aktion. Für was genau, kann von denen auch keiner genau sagen. Es fällt immer wieder das Wort CO2-Steuer. Fragt sich nur, warum der große Aufwand, wenn der “Deep-State” das auch ganz einfach aus einer stillen Bilderberger-Verhandlung über unsere Köpfe hinweg entscheiden könnte. Andererseits ist in Augen der Wissenschaftsverneiner der Umweltaktivismus rund um Fridays For Future eine Art neue Religion und Greta ihr Heiland. Wenn dies tatsächlich so wäre, hätten wir endlich mal eine Religion, die sich ohne Hokuspokus mit wirklichen Problemen der Menschheit und der Welt auseinandersetzt. Auch das ist am Ende nur ein weiterer lächerlicher Versuch die Wichtigkeit der Angelegenheit und das große Engagement der Jugend kleinzureden.
Manchmal will man sich jedoch auch gar nicht erst in Details verlaufen. „Greta nervt“ ist die einfache Losung, um seinen Safe-Space aus Ignoranz und Fatalismus zu verteidigen. Denn sie ist scheinbar der Liebling der „linksgrün versifften Medien“, welche nicht müde werden über jedes Räuspern von ihr zu berichten. Nun, ich kann euch Genervten sagen, wer für den Gretahype verantwortlich ist, welche Verschwörung dahinter steckt, dass das Mädel euch keine Ruhe gönnt. Um sie aufzudecken, schaut einfach in den Spiegel. Es ist euer ständiger Hass, eure Aufregerei, welcher das Thema zum stetigen Quotenbrecher macht. Ihr sorgt mit euren Kommentaren und wütenden Klicks für die ständige Medienpräsenz, so berechenbar, wie die Scheißhausfliege, die sich über einen Hundehaufen hermacht. Währenddessen versuchen die Unterstützer der FFF-Bewegung und prinzipiell auch Menschen, die einfach nur Anstand haben, sich gegen euren ständigen digitalen Verbaldurchfall zur Wehr zu setzen. Das sind dann die „Greta-Jünger“ wie ihr alle nennt, welche nicht euer wissenschaftsfeindliches, wohlstandsversoffenes und anti-ökologisches Weltbild tragen.

Greta Thunberg wird nicht irgendwie religiös vergöttert, sondern aus guten Gründen geschätzt. Sie hat Millionen junge Menschen in Bewegung gesetzt, für ihre eigene Zukunft zu kämpfen, statt sich dem ungnädigen „Weiter so“ des kapitalistischen Konservatismus hinzugeben. Und vor allem: Sie hat die öffentliche Aufmerksamkeit weg von den rassistischen Themen der Rechtspopulisten auf wichtige, existentielle Fragen gelenkt. Ich schätze das wurmt besonders die rechten Greta-Hasser. Im politisch-gesellschaftlichen Diskurs geht es plötzlich nicht mehr vorrangig um den Identitätswert von Gartenzwergen und Schweinefleisch, welche durch den bösen Muselmann bedroht werden. Dies soll immerhin die einzige Sorge der Gesellschaft sein, stöhnt der Kartoffelgeist. Stattdessen geht es um solche Lappalien, wie den Fortbestand einer intakten Erde.
Doch dumm gelaufen liebe Trolle und Greta-Hasser: Greta hat mehr als genug Persönlichkeit, um eurem Gejammer die kalte Schulter zu zeigen.

Was euch jedoch besonders wurmt, ist, dass dieses Mädchen zu einem Symbol geworden ist. Ein Symbol für eine entfesselte Jugend, welche sich vom Status-Quo erhebt und euer Privileg ins Schwanken bringt, gesellschaftliche Themen zu besetzen. Plötzlich kommt eine junge Meute, durch eine unnachgiebige und starke junge Frau angefacht, hebt sich über eure Normen hinweg und droht den alten weißen Mann vom Thron zu stürzen. Das macht euch fertig, oder?

 

Wir haben keine Zeit mehr!

Wir haben einen extrem dringenden Handlungsbedarf, wenn wir wollen, dass die Generationen nach uns ein Leben auf einem gesunden Planeten führen können. Dies wird sehr deutlich, wenn man sich die Aufzählung aus dem Uno-Bericht vom Volksverpetzer anschaut:

Uno-Bericht Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

    • 85 Prozent der Feuchtgebiete sind bereits zerstört
    • Seit dem späten 19. Jahrhundert sind rund die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden
    • Neun Prozent aller Nutztierrassen sind ausgestorben
    • Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 wurden 100 Millionen Hektar tropischer Regenwald abgeholzt – weitere 32 Millionen Hektar allein zwischen 2010 und 2015
    • 23 Prozent der Landfläche des Planeten gelten als ökologisch heruntergewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden
    • Der Verlust von Bestäuberinsekten bedroht Nahrungsmittelproduktion im Wert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr
    • Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen gefährdet
    • Allein die vom Menschen verursachte Erderhitzung könnte rund fünf Prozent der Arten auslöschen, wenn der Schwellenwert von zwei Grad Celsius globaler Temperaturerhöhung überschritten würde
    • Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor zehn bis Hundert Male höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre, und sie wächst. Wir opfern für noch mehr Konsum alles, was wir zum Leben brauchen: Wasser, Luft, Natur, Umwelt. Wir machen alles kaputt. Hauptsache, es gibt jederzeit billiges Schweinefleisch zu kaufen.

Ich will natürlich nicht behaupten, dass Greta und die FFF-Bewegung das Allheilmittel gegen den Klimawandel sind. Das denkt niemand. Nur die Greta-Hasser denken, dass wir so denken. Greta und FFF weisen immer wieder darauf hin, dass wir auf die Wissenschaft hören sollen. Vielleicht sollten wir endlich auch dahingehend den Diskurs führen, statt uns rein emotional gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Dann können wir auch über den Sinn oder Unsinn bestimmter Maßnahmen, wie CO2-Steuer, Plastikreduktion, Kohleausstieg, Verkehrswende und andere politische Vorschläge diskutieren.

Die Wissenschaftsverdrossenheit und der Hass gegen eine aktive Jugend verdienen jedoch nur eins: Pranger und Ignoranz!

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1 Comment

  1. Wichtig erscheint mir vor allem Druck auf die Politik, das Freihandelsabkommen der EU mit
    Brasilien auszusetzen, bis die Aufforstung des Regenwaldes beginnt.

    Vernetzt euch, kommt in unsere Telegram-Gruppe: https://t.me/fffludwigshafen

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