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Wir stehen im Flammen!

Wir stehen im Flammen!

Die Welt brennt!
Der Klimawandel heizt die Erde stetig auf, wir erleben in unseren Breitengraden eine Trockenheit, wie wir sie uns in der Prärie vorstellen würden und nun brennen auch noch unsere Wälder: in Sibirien, Alaska, der Arktis, Afrika, Asien und vor allem auch in unserer grünen Lunge, dem Amazonas-Regenwald. Eine solch hohe Anzahl von Waldbränden innerhalb eines Jahres haben wir in solchen Dimensionen noch nicht erlebt und dennoch gibt es selbsternannte Experten, welche Verschwörungstheorien über wissenschaftliche Fakten stellen und den menschengemachten Klimawandel leugnen.

Besonders furchterregend sind die Brände im Amazonasregenwald, welcher 20% des weltweiten Sauerstoffs produziert und einen erheblichen Einfluss auf das Weltklima hat. 72843 Brände wurden per Sattellitenaufnahmen des brasilianischen Raumfahrforschungszentrum „Inpe“ gezählt. Damit erreichen die Brände einen Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen 2013.

Es ist natürlich kein Zufall, dass diese Höchstwerte ausgerechnet in dem Jahr erreicht werden, welches unter der Herrschaft des rechtsextremen Präsidenten Bolsonaro steht. Schon zu seiner Wahl wurde befürchtet, dass der Amazonas unter „Kapitän Kettensäge“, welcher den Klimawandel leugnet und im Regenwald reines wirtschaftliches Potential sieht, in Gefahr gerät. Ein solches Ausmaß der Zerstörung in so kurzer Zeit hätte man sich jedoch in seinen Alpträumen nicht ausgemalt. Der Regenwald, welcher schon lange an illegalen Brandrodungen leidet, wurde von Bolsonaro der Agrarindustrie regelrecht zum Fraß vorgeworfen. Derzeit schaut die Welt zu, wie eines der wichtigsten Habitate dieses Planeten dem Feuer zum Opfer fällt. Es wird Zeit, dass wir nicht mehr zuschauen, sondern handeln und notfalls auch bereit sind mit dem Gedanken zu spielen, einen außer Kontrolle geratenen Faschisten das Handwerk zu legen!

 

Fakten zum Amazonas

Der Amazonas wird nicht von ungefähr als Lunge der Erde betitelt. „Der Amazonasregenwald verarbeitet jährlich mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2 und produziert etwa ein Fünftel des weltweit verfügbaren Sauerstoffs.“ Außerdem ist er auch Lebensraum der eigentlich unter Schutzstatus stehenden indegenen Bevölkerung Brasiliens, welche durch das Eindringen der Agrarindustrie und Goldschürfer systematisch zurückgedrängt und in so einigen Fällen sogar ermordet werden. Bolsonaro setzt den Schutzstatus dieser Menschen weiter aus und überlässt ihre Heimat dem Gutdünken des Landwirtschaftsministeriums.

Zum ersten muss klargestellt werden, dass Waldbrände im Amazonas tatsächlich nicht ungewöhnlich sind, wie rechte Kommentartrolle derzeit nicht müde werden zu betonen. Tatsächlich entstehen sie regelmäßig in der Trockenperiode namens „Queimada“ und erlöschen meistens wieder im November. Das erschreckende Ausmaß dieses Jahres ist jedoch alles andere als normal. Im Gegensatz zu letztem Jahr hat sich die Anzahl der Brände fast verdoppelt. Laut Carlos Nobre von der Universität São Paulo kann der Klimawandel  in Brasilien (im Gegensatz zu den Bränden in Alaska, Sibiren, etc.) nicht für die Brände verantwortlich gemacht werden. Die Wetterverhältnisse sind dieses Jahr nicht ungewöhnlicher, als in den Vorjahren. Bolsonaro dagegen ermutigte zu seinem Amtsantritt Bauern und Viehzüchter den Regenwald zu erschließen, für angeblichen Fortschritt und Einkommen Brasiliens, inklusive der Gebiete, wo die indigene Bevölkerung heimisch ist. Auch Gesetzesverstöße werden unter Bolsonaro weniger geahndet. Dieser Vorzeigefaschist begünstigt zweifelsohne Raubbau am Regenwald und beschuldigt allen Ernstes Umweltschützer einer politisch motivierten Brandstiftung. Ausgerechnet diejenigen, welche ihr Bestes versuchen, um den Regenwald zu erhalten und vor solchen Wahnsinnigen zu schützen, sollen ausgerechnet diesen niederbrennen, nur um Bolsonaro eins auszuwischen. Kann man noch erbärmlicher nach einem Sündenbock suchen?

Noch kein Jahr Amtszeit, aber völlig außer Kontrolle …

Wie wenig Bolsonaro von Umweltschutz hält, hat er in seiner bisher kurzen Amtszeit sehr deutlich machen können. Das Klimaschutzbudget wurde von ihm fast vollständig gestrichen. Konfrontiert mit den Fakten zu den verheerenden Amazonasbränden, feuerte er kurzerhand den Leiter von „Inpe“ Ricardo Galvão und ersetzte ihn durch einen Mann aus dem Militär. Der Kurs ist klar: Weg mit wissenschaftlichen Fakten, welche dem „Ansehen“ schaden, stattdessen mehr staatliche Autorität und mehr Wirtschaft, egal ob Raubbau, egal ob legal oder illegal und ohne Rücksicht auf die indigenen Völker. Schon vor Bolsonaro drangen Goldschürfer in die Reservate ein und ermordeten Ureinwohner, welche ihre Gebiete vor der Zerstörung zu bewahren versuchten. Die Übergriffe steigen unter Bolsonaro, welcher die Reservate nur als Wirtschaftshindernisse sieht und die Goldschürferei erweitern möchte.
Boslonaro entwickelt eine Politik, wie sie der Militärdiktatur bis 1985 kaum näher kommen kann.

Ein Punkt ist jedoch für die gesamte Welt besonders dramatisch: Mit dem verbrannten Regenwald geht wertvoller CO2-Speicher verloren und es wird sogar gespeichertes CO2 wieder freigesetzt. Der Brand des Amazonas beschleunigt somit den Klimawandel. Spätestens an dieser Stelle müsste der Weltgemeinschaft klar werden, dass es sich hier nicht um eine lokale Tragödie handelt, sondern um eine Katastrophe, welche weltweit spürbare Folgen hat.

Bolsonaros Regierung zerstört konsequent unberührte Natur, nimmt die Vertreibung und sogar den Tod der Ureinwohner in Kauf und schaut bei Verbrechen weg. Ganz nebenbei könnte diese Politik nun zu einer größeren Bedrohung für das Weltklima werden, als die Kohleindustrie.

Es wird Zeit, dass die Welt erkennt, dass Regenwälder kein Wirtschaftsgebiet sein dürfen und jeglichen Handel, welcher Regenwälder bedroht, einstellt, auch wenn wir uns unser Qualfleisch, welches durch brasilianische Sojaplantagen hochgefüttert wird, dann nicht mehr leisten können. Es wird Zeit, dass wir die Schutzverbände des Amazonas vor Ort unterstützen und sie gegen die Übergriffe der Argar- und Goldschürfer-Rambos schützen. Selbst wenn man den Amazonas mit Blauhelmen besetzten müsste, um seine Zerstörung durch eine wahnsinnige, faschistoide Regierung zu verhindern, ist es das wert, um die „Lunge der Erde“ zu erhalten.

Es muss aufgehalten werden!

Ich weiß, dass mein Ansatz radikal erscheint, jedoch kann es nicht sein, dass wir bei der Klimabelastung, welche wir derzeit erfahren und welche noch auf uns zukommt, unsere wichtigste globale Klimaanlage einem Faschisten überlassen, welcher keinen Deut auf Umweltschutz gibt. Und nein, ich finde nicht, ich sollte mich mit dieser Bezeichnung bezüglich Bolsonaro zurückhalten. Mindestens Bolsonaros Umgang mit der indigenen Bevölkerung Brasiliens ist einer faschistischen Politik definitiv zuzuordnen.

Dass Europa unter diesen Gesichtspunkten weiterhin das Mersocur-Abkommen verhandelt, ist purer Zynismus. Jegliche Verhandlung sollte jetzt vollständig stillgelegt werden, solange kein klarer Schutzplan für den Amazonas festgelegt wird. Dies ist jedoch nur einer von vielen notwendigen Schritten, um Brasilien bezüglich des Regenwalds unter Druck zu setzen:
Der Import von Soja und Rindfleisch aus Brasilien müsste vollends stillgelegt werden und allgemein müsste die Bolsonaro-Regierung gnadenlos sanktioniert und isoliert werden, bis diese bereit ist ihren Kurs dramatisch zu ändern. Bolsonaro selbst muss dringend abgesägt werden.

Immerhin scheint  sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron derzeit gegen das Abkommen zu stemmen. Zum Glück ist er nicht allein. Die EU scheint allgemein am Mersocur-Abkommen zu hadern. Auch Irland und Finnland schließen sich dem Gedanken an, das Abkommen zu blockieren. Finnland bringt sogar ein Importverbot von brasilianischem Rindfleisch in die EU ins Spiel. Unsere liebe Kanzlerin hält sich wie immer eher zurück, aber hängt sich immerhin irgendwie an Macron dran.
Dies sollte jedoch nicht nur bei wortschönen Überlegungen bleiben. Hier kann sich die EU endlich beweisen, dass Klimapolitik endlich den hohen Stellenwert erhält, der ihr gebührt.

Der Amazonas ist nicht Brasiliens Angelegenheit und schon gar nicht Bolsonaros. Da kann er noch so sehr von „kolonialistischen Denkweisen“ schwadronieren. Ausgerechnet er, welcher den gesamten Amazonas in eine wirtschaftliche Kolonie verwandeln will. Die Zeit der Besprechungen in stillen Kämmerlein muss endlich enden, wenn wir unsere Welt intakt behalten wollen. Wir müssen endlich als Weltgemeinschaft handeln und Klimaschutz über unsere Grenzen hinweg betreiben. Regenwälder und andere wichtige Naturhabitate müssen endlich voll geschützt werden. Gegen solche wie Bolsonaro oder egal, welche Machthaber oder Industrien ihren Erhalt bedrohen.

Es wird Zeit für eine starke, internationale Allianz für den Natur- und Klimaschutz!

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